Geschütztes Treppenhaus und Fluchtweg in einem Hochhaus für die Evakuierung im Brandfall

Evakuierung von Hochhäusern: Anforderungen in der Schweiz

Veröffentlicht am 16.09.2026

Die Evakuierung von Hochhäusern stellt besondere Anforderungen an den Brandschutz. Je höher ein Gebäude ist, desto wichtiger werden geschützte Fluchtwege, klare Alarmierungsabläufe und eine frühzeitig abgestimmte Evakuierungsstrategie.

In Hochhäusern kann eine vollständige Räumung im Brandfall deutlich komplexer sein als in kleineren Gebäuden. Lange vertikale Fluchtwege, viele Personen, unterschiedliche Nutzungen und mögliche Einschränkungen bei der Selbstrettung müssen deshalb bereits in der Planung berücksichtigt werden.

Entscheidend ist, dass Evakuierung, Fluchtwege, technische Anlagen und das Brandschutzkonzept als Gesamtsystem funktionieren.

Die Vulcanus AG unterstützt Bauherren, Architekten und Betreiber bei der Planung von Brandschutzlösungen für Hochhäuser in der Schweiz – vom Brandschutzkonzept bis zur Koordination der erforderlichen Massnahmen.

Warum ist die Evakuierung von Hochhäusern besonders anspruchsvoll?

Bei einem Hochhaus müssen Personen im Ernstfall mehrere Geschosse überwinden, bevor sie einen sicheren Bereich oder das Freie erreichen.

Gleichzeitig kann es im Brandfall zu Rauchentwicklung, eingeschränkter Sicht und einer hohen Belastung der Fluchtwege kommen. Deshalb spielen bauliche und technische Schutzmassnahmen eine besonders wichtige Rolle.

Dazu gehören unter anderem:

  • geschützte vertikale Fluchtwege

  • Sicherheitstreppenhäuser

  • Rauchschutz

  • Sicherheitsbeleuchtung und Rettungszeichen

  • klar definierte Alarmierungs- und Evakuierungsabläufe

  • geeignete Feuerwehrzugänge und Feuerwehraufzüge

Die geltenden Schweizer Anforderungen sind in den VKF-Brandschutzvorschriften geregelt. Die VKF-Brandschutznorm und die dazugehörigen Richtlinien sind schweizweit verbindlich.

Welche Anforderungen gelten für Fluchtwege in Hochhäusern?

Die Flucht- und Rettungswege müssen so geplant werden, dass Personen das Gebäude im Brandfall möglichst sicher verlassen können und Rettungskräfte Zugang erhalten.

Für Hochhäuser sehen die VKF-Regelungen besondere Anforderungen an vertikale Fluchtwege vor. Geschosse über Terrain werden über Sicherheitstreppenhäuser erschlossen. Diese müssen gegen das Eindringen von Rauch und Feuer besonders geschützt werden.

Bei innenliegenden Sicherheitstreppenhäusern erfolgt der Zugang in der Regel über vorgelagerte Schleusen. Dadurch soll verhindert werden, dass Rauch unmittelbar in den geschützten Treppenraum eindringen kann.

Das Sicherheitstreppenhaus ist damit eines der zentralen Elemente eines Evakuierungssystems für Hochhäuser.

Auch die Kennzeichnung von Fluchtwegen und Ausgängen sowie eine geeignete Sicherheitsbeleuchtung gehören bei Hochhäusern zu den wesentlichen Anforderungen.

Welche Rolle spielt der Rauchschutz?

Rauch ist im Brandfall eine der grössten Gefahren für Personen im Gebäude.

Selbst wenn ein Treppenhaus baulich ausreichend feuerwiderstandsfähig ausgeführt ist, kann eindringender Rauch die Nutzung des Fluchtwegs stark einschränken.

Deshalb werden Sicherheitstreppenhäuser in Hochhäusern besonders gegen Rauch geschützt. Eine mögliche technische Lösung sind Rauchschutz-Druckanlagen.

Diese erzeugen im geschützten Bereich einen Überdruck und sollen verhindern, dass Rauch aus angrenzenden Bereichen in den Fluchtweg eindringt.

Der Rauchschutz ist damit eng mit der Evakuierungsplanung verbunden. Ein Fluchtweg kann seine Funktion nur erfüllen, wenn er im Ereignisfall möglichst lange sicher begehbar bleibt.

Was ist ein Evakuierungssystem für Hochhäuser?

Ein Evakuierungssystem für Hochhäuser besteht nicht aus einer einzelnen technischen Anlage.

Vielmehr handelt es sich um das Zusammenspiel unterschiedlicher baulicher, technischer und organisatorischer Massnahmen.

Dazu können beispielsweise Alarmierungsanlagen, Sicherheitstreppenhäuser, Evakuierungsräume, Feuerwehraufzüge, Evakuierungsaufzüge und organisatorische Abläufe gehören.

Welche Elemente tatsächlich erforderlich sind, hängt vom jeweiligen Gebäude ab.

Nutzung, Gebäudehöhe, Anzahl und Mobilität der Personen, technische Ausstattung sowie das gewählte Brandschutzkonzept beeinflussen die Evakuierungsstrategie.

Ein Evakuierungssystem sollte deshalb immer objektspezifisch geplant werden.

Muss ein Hochhaus immer vollständig evakuiert werden?

Nicht jede Brandsituation bedeutet automatisch, dass das gesamte Gebäude gleichzeitig geräumt werden muss.

Je nach Gebäude und Brandschutzkonzept können unterschiedliche Strategien vorgesehen sein.

Denkbar sind beispielsweise eine vollständige Evakuierung, eine schrittweise Evakuierung bestimmter Bereiche oder eine horizontale Verlagerung in sichere Bereiche.

Gerade bei grossen oder komplexen Hochhäusern kann eine gestaffelte Evakuierung sinnvoll sein, um die Fluchtwege nicht gleichzeitig mit sämtlichen Personen zu belasten.

Welche Strategie zulässig und sinnvoll ist, muss bereits im Brandschutzkonzept festgelegt und mit den technischen sowie organisatorischen Massnahmen abgestimmt werden.

Welche Bedeutung haben Evakuierungsräume?

Die VKF kennt den Begriff des Evakuierungsraums als sicheren Ort innerhalb eines Gebäudes.

Ein solcher Bereich soll Personen vor Rauch, Hitze und Flammen schützen, bis sie durch Rettungskräfte weiter evakuiert werden können.

Bei Hochhäusern können solche Lösungen insbesondere für Personen relevant sein, die Treppen nicht selbstständig oder nicht schnell genug benutzen können.

Evakuierungsräume benötigen einen direkten Zugang zu einem vertikalen Fluchtweg und müssen für die vorgesehene Dauer ausreichend geschützt sein.

Gerade die Evakuierung mobilitätseingeschränkter Personen sollte deshalb frühzeitig berücksichtigt werden.

Dürfen Aufzüge im Brandfall zur Evakuierung genutzt werden?

Normale Personenaufzüge sind grundsätzlich nicht automatisch für eine Nutzung im Brandfall vorgesehen.

In Hochhäusern können jedoch speziell ausgeführte Feuerwehraufzüge vorhanden sein. Diese sind technisch so abgesichert, dass sie im Ereignisfall von der Feuerwehr für den Einsatz und unter bestimmten Voraussetzungen auch zur Evakuierung genutzt werden können.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Bewohner oder Mitarbeitende einen normalen Aufzug eigenständig als Fluchtweg verwenden sollten.

Welche Aufzüge im Brandfall genutzt werden dürfen, muss eindeutig im Brandschutz- und Evakuierungskonzept geregelt sein.

Auch die Gebäudeversicherung Bern weist darauf hin, dass Personen im Brandfall normale Liftanlagen nicht eigenständig als Fluchtweg nutzen sollten.

Welche Rolle spielt das Brandschutzkonzept im Hochhaus?

Das Brandschutzkonzept Hochhaus bildet die Grundlage dafür, wie die verschiedenen Schutzmassnahmen zusammenwirken.

Dabei müssen unter anderem Flucht- und Rettungswege, Brandabschnitte, Rauchschutz, technische Brandschutzanlagen und Feuerwehrzugänge aufeinander abgestimmt werden. Besonders wichtig ist die Schnittstelle zwischen baulichem und organisatorischem Brandschutz. Ein technisch gut ausgestattetes Gebäude benötigt trotzdem klare Abläufe für den Ernstfall.

Wie sollte die Evakuierung organisatorisch vorbereitet werden?

Die beste technische Lösung hilft nur begrenzt, wenn Verantwortlichkeiten im Ereignisfall unklar sind. Je nach Nutzung können deshalb Evakuierungsanweisungen, Verantwortliche, Sammelplätze und interne Alarmierungswege festgelegt werden.

Besonders bei Bürohochhäusern, Hotels oder Gebäuden mit vielen Mitarbeitenden sollten organisatorische Abläufe regelmässig überprüft werden.

Auch Veränderungen im Gebäude können eine Anpassung erforderlich machen.

Neue Nutzungen, Umbauten oder eine deutlich veränderte Personenbelegung können Einfluss auf bestehende Evakuierungsstrategien haben.

Warum müssen Fluchtwege dauerhaft frei bleiben?

Fluchtwege müssen nicht nur bei der Planung korrekt dimensioniert sein, sondern während der gesamten Nutzung funktionsfähig bleiben. Möbel, Lagergut oder andere Gegenstände können die nutzbare Breite reduzieren und im Ernstfall zusätzliche Hindernisse darstellen. Gerade in Treppenhäusern ist das kritisch.

Die Gebäudeversicherung Bern weist darauf hin, dass Treppenanlagen, Korridore und Ausgänge jederzeit frei zugänglich bleiben müssen und dort keine zusätzlichen Brandlasten entstehen sollten.

Ein korrekt geplanter Fluchtweg verliert seinen Wert, wenn er im Alltag blockiert oder zweckentfremdet wird.

Was ist bei Hochhäusern in der Schweiz besonders zu beachten?

Beim Brandschutz von Hochhäusern in der Schweiz greifen verschiedene Anforderungen ineinander. Neben den Fluchtwegen spielen beispielsweise Feuerwiderstände, Brandabschnittsbildung, technische Brandschutzanlagen, Aufzüge, Sicherheitsstromversorgung und Feuerwehrzugänge eine Rolle.

Die Anforderungen können ausserdem je nach Nutzung stark variieren. Ein Wohnhochhaus stellt andere Anforderungen an Organisation und Evakuierung als ein Bürohochhaus, Hotel oder Gebäude mit gemischter Nutzung. Deshalb ist eine individuelle Brandschutzplanung erforderlich.

Welche Rolle spielen Brandmelde- und Alarmierungsanlagen?

Je früher ein Brand erkannt wird, desto früher können Personen reagieren. Brandmelde- und Alarmierungsanlagen können deshalb ein wichtiger Bestandteil des Evakuierungskonzeptes sein.

Je nach Gebäude können unterschiedliche Alarmierungsstrategien vorgesehen werden.

Bei einer gestaffelten Evakuierung kann zum Beispiel zunächst nur ein unmittelbar betroffener Bereich alarmiert werden, bevor weitere Geschosse einbezogen werden.

Solche Abläufe müssen technisch zuverlässig funktionieren und mit der gesamten Brandfallsteuerung abgestimmt sein.

In komplexen Gebäuden kann hierfür eine Brandfallmatrix eingesetzt werden. Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag "Was ist eine Brandfallmatrix?".

Wie werden Personen mit eingeschränkter Mobilität berücksichtigt?

Die Evakuierung von Personen mit eingeschränkter Mobilität muss bereits während der Planung berücksichtigt werden. Nicht jede Person kann mehrere Geschosse über ein Treppenhaus selbstständig verlassen.

Je nach Gebäude können deshalb Evakuierungsräume, geeignete Aufzugssysteme oder organisatorische Unterstützung notwendig sein.

Wichtig ist, dass diese Personen nicht erst im Ereignisfall berücksichtigt werden. Barrierefreie Evakuierung muss Teil des Brandschutzkonzeptes sein und darf nicht allein auf spontane Hilfe angewiesen sein.

Welche Bedeutung haben Evakuierungsübungen?

Evakuierungsübungen können helfen, organisatorische Abläufe zu überprüfen. Dabei lässt sich beispielsweise feststellen, ob Alarmierungswege funktionieren, Verantwortlichkeiten bekannt sind und Fluchtwege tatsächlich praktikabel genutzt werden können.

Bei grossen Hochhäusern sollte eine Übung jedoch an die konkrete Evakuierungsstrategie angepasst werden. Eine vollständige Räumung des gesamten Gebäudes ist nicht automatisch die einzige sinnvolle Übungsform. Auch Teilübungen bestimmter Geschosse oder organisatorische Tests können wertvolle Erkenntnisse liefern.

Wer plant den Brandschutz eines Hochhauses?

Aufgrund der Komplexität sollte der Brandschutz bei Hochhäusern frühzeitig durch qualifizierte Fachpersonen begleitet werden. Brandschutzplanung, Architektur, Gebäudetechnik und Tragwerksplanung müssen eng miteinander abgestimmt werden.

Auch Feuerwehr und zuständige Brandschutzbehörden können je nach Projekt frühzeitig eingebunden werden.

Als Brandschutz-Unternehmen unterstützt die Vulcanus AG Bauherren, Architekten und Fachplaner bei der Entwicklung geeigneter Brandschutz- und Evakuierungskonzepte für komplexe Gebäude in der Schweiz.

Häufige Fragen zur Evakuierung von Hochhäusern

Wie funktioniert die Evakuierung eines Hochhauses?

Die konkrete Strategie hängt vom Gebäude ab. Je nach Brandschutzkonzept kann eine vollständige, gestaffelte oder bereichsweise Evakuierung vorgesehen werden. Geschützte Fluchtwege, Alarmierung und organisatorische Abläufe müssen dabei aufeinander abgestimmt sein.

Was ist ein Sicherheitstreppenhaus?

Ein Sicherheitstreppenhaus ist ein besonders geschützter vertikaler Fluchtweg. Es soll gegen das Eindringen von Feuer und Rauch geschützt sein und ermöglicht Personen, mehrere Geschosse sicher zu überwinden.

Darf man bei einem Brand im Hochhaus den Aufzug benutzen?

Normale Personenaufzüge sollten nicht eigenständig als Fluchtweg genutzt werden. Speziell ausgeführte Feuerwehraufzüge oder Evakuierungsaufzüge können Bestandteil eines Brandschutzkonzeptes sein, ihre Nutzung muss jedoch eindeutig geregelt sein.

Braucht ein Hochhaus ein Brandschutzkonzept?

Bei Hochhäusern ist aufgrund der erhöhten Komplexität eine umfassende brandschutztechnische Planung erforderlich. Das Brandschutzkonzept koordiniert unter anderem Fluchtwege, Brandabschnitte, technische Anlagen, Rauchschutz und Evakuierungsstrategie.

Fazit zu Evakuierung von Hochhäusern

Die Evakuierung von Hochhäusern ist deutlich komplexer als die Räumung kleinerer Gebäude.

Geschützte Fluchtwege, Sicherheitstreppenhäuser, Rauchschutz, Alarmierung und organisatorische Abläufe müssen bereits während der Planung als Gesamtsystem betrachtet werden. Besonders wichtig ist, dass die Evakuierungsstrategie zum Gebäude, seiner Nutzung und den Personen passt – und nicht erst im Brandfall entwickelt werden muss.

Als Brandschutz-Unternehmen unterstützt die Vulcanus AG Bauherren, Betreiber und Fachplaner schweizweit beim Brandschutz von komplexen Hochhäusern. Wir begleiten Sie vom ersten Brandschutzkonzept über Flucht- und Evakuierungsstrategien bis zur Koordination und Umsetzung der erforderlichen Brandschutz-Massnahmen.