Notfallkonzept im Brandfall: Was Unternehmen regeln sollten

Veröffentlicht am 13.10.2026

Ein Brand im Unternehmen ist eine Ausnahmesituation, in der innerhalb weniger Minuten entschieden werden muss. Wer alarmiert die Feuerwehr? Welche Fluchtwege sind zu nutzen? Wo befindet sich der Sammelplatz? Wer kontrolliert, ob alle Personen das Gebäude verlassen haben? Genau solche Fragen gehören in ein Notfallkonzept Brandfall.

Ein gutes Konzept legt nicht nur Zuständigkeiten fest, sondern sorgt dafür, dass Mitarbeitende im Ernstfall wissen, wie sie reagieren sollen. Die Suva weist darauf hin, dass eine funktionierende betriebliche Notfallorganisation alle wichtigen Massnahmen von der Alarmierung bis zum Brandschutz regeln sollte. Dazu gehören unter anderem definierte Fluchtwege, Sammelplätze, Löschgeräte und klare Informationen für die Feuerwehr.

Ein Notfallkonzept ist deshalb kein theoretisches Dokument, sondern ein praktischer Handlungsrahmen für den Ernstfall.

Die Vulcanus AG unterstützt Unternehmen in der Schweiz bei der Entwicklung und Überprüfung von Brandschutz- und Evakuierungskonzepten sowie bei der organisatorischen Vorbereitung auf Notfälle.

Was gehört in ein Notfallkonzept für den Brandfall?

Ein Notfallkonzept sollte die wichtigsten Abläufe möglichst eindeutig und verständlich beschreiben. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, was im Brandfall zu tun ist, wer welche Aufgabe übernimmt und wie Personen sicher aus dem Gebäude geführt werden.

Die EKAS nennt die Notfallorganisation als festen Bestandteil des betrieblichen Sicherheitsmanagements. Unternehmen sollen ein Notfallkonzept erstellen, das sich an den tatsächlich vorhandenen Gefährdungen orientiert. Dazu gehören richtiges Verhalten im Notfall, Alarmierung und die Organisation der erforderlichen Hilfe.

Für den Brandfall sind insbesondere folgende Punkte relevant:

  • Alarmierung und interne Meldewege

  • Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten

  • Flucht- und Rettungswege

  • Sammelplätze

  • Evakuierung von Mitarbeitenden und Besuchern

  • Feuerlöscheinrichtungen

  • Information und Einweisung der Feuerwehr

Das Konzept sollte dabei immer an Gebäude, Nutzung und Betriebsabläufe angepasst werden.

Wer übernimmt im Brandfall welche Aufgabe?

Ein häufiger Schwachpunkt in Unternehmen ist nicht das Fehlen technischer Brandschutz-Massnahmen, sondern unklare Zuständigkeiten.

Wenn niemand weiss, wer den Alarm auslöst, wer die Evakuierung koordiniert oder wer die Feuerwehr empfängt, kann wertvolle Zeit verloren gehen.

Deshalb sollte im Notfallkonzept klar geregelt sein, welche Personen oder Funktionen bestimmte Aufgaben übernehmen. Dazu können Sicherheitsverantwortliche, Evakuierungshelfer, Empfangspersonal oder Führungskräfte gehören.

Wichtig ist jedoch, die Organisation nicht zu kompliziert zu gestalten. Ein Notfallplan muss auch dann funktionieren, wenn einzelne verantwortliche Personen gerade nicht im Gebäude sind.

Vertretungsregelungen sollten deshalb von Anfang an mitgedacht werden.

Alarmieren, retten, löschen – aber in welcher Reihenfolge?

Die grundlegenden Abläufe müssen für Mitarbeitende einfach nachvollziehbar sein.

In den Arbeitssicherheitsunterlagen der EKAS wird für den Brandfall eine klare Reihenfolge beschrieben: Zuerst wird alarmiert, anschliessend werden gefährdete Personen gewarnt beziehungsweise gerettet und danach können – unter Wahrung der eigenen Sicherheit – Löschversuche erfolgen.

Die Feuerwehr ist in der Schweiz über die Notrufnummer 118 erreichbar. Die Suva empfiehlt, wichtige Notrufnummern und weitere betriebliche Informationen an zentralen Stellen sichtbar bereitzuhalten.

Löschversuche dürfen jedoch niemals dazu führen, dass Mitarbeitende sich selbst gefährden oder die rechtzeitige Evakuierung verzögert wird.

Welche Rolle spielen Fluchtwege im Notfallkonzept?

Fluchtwege sind ein zentraler Bestandteil jeder Evakuierungsplanung.

Sie müssen nicht nur baulich vorhanden sein, sondern auch im Alltag frei zugänglich bleiben. Die Suva empfiehlt, Fluchtwege eindeutig zu definieren und zu kennzeichnen sowie Hindernisse konsequent zu vermeiden. Ebenso sollte der Sammelplatz allen Mitarbeitenden bekannt sein.

Das Verhalten im Brandfall am Arbeitsplatz sollte deshalb nicht nur auf einem Aushang stehen. Mitarbeitende müssen wissen, welchen Weg sie von ihrem Arbeitsplatz aus nehmen und wohin sie sich nach Verlassen des Gebäudes begeben.

Besonders relevant sind dabei:

  • mehrere Gebäudeteile oder Stockwerke

  • unübersichtliche Produktionsbereiche

  • Besucher oder externe Dienstleister

  • Personen mit eingeschränkter Mobilität

  • Schicht- oder Nachtbetrieb

Je komplexer das Gebäude ist, desto wichtiger wird eine klare Evakuierungsorganisation.

Warum ist der Sammelplatz so wichtig?

Ein Sammelplatz erfüllt eine zentrale organisatorische Funktion.

Dort können Mitarbeitende nach der Evakuierung gesammelt und – je nach betrieblicher Organisation – auf Vollständigkeit überprüft werden. So lässt sich schneller feststellen, ob möglicherweise noch Personen im Gebäude sind.

Die EKAS empfiehlt ausdrücklich, Sammelplätze festzulegen und diese den Mitarbeitenden bekannt zu machen. Bei einer Evakuierung sollen Beschäftigte das Gebäude über die vorgesehenen Fluchtwege verlassen und anschliessend den Sammelplatz aufsuchen.

Ohne einen klar definierten Sammelpunkt besteht die Gefahr, dass Personen das Gelände verlassen oder sich verteilen und dadurch fälschlicherweise als vermisst gelten.

Auch Besucher sollten deshalb in die Evakuierungsorganisation einbezogen werden.

Was muss die Feuerwehr über das Unternehmen wissen?

Bei grösseren oder komplexeren Betrieben ist die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr besonders wichtig.

Die EKAS nennt unter anderem die regelmässige Information der Feuerwehr über betriebliche Besonderheiten. Auch Zufahrten und Zugänge zum Firmenareal sollten frei und klar erkennbar sein. Bei vorhandenen Gefahrstoffen oder speziellen Anlagen müssen relevante Informationen schnell verfügbar sein.

Ein Notfallkonzept sollte daher klären, wer die Einsatzkräfte empfängt und einweist.

Je nach Betrieb können zudem Feuerwehrpläne, Informationen zu Brandmeldeanlagen, Löschanlagen, Gefahrstoffen oder technischen Anlagen erforderlich sein.

Müssen Mitarbeitende für den Brandfall geschult werden?

Ja – ein Konzept allein reicht nicht.

Die Suva hebt hervor, dass Mitarbeitende die Verhaltensregeln im Brandfall kennen und in Übungen anwenden können sollten. Auch die EKAS empfiehlt, das Verhalten im Notfall regelmässig zu schulen und verschiedene Notfallszenarien periodisch zu üben.

Schulungen sollten insbesondere behandeln:

  • Alarmierung und interne Meldewege

  • Fluchtwege und Sammelplatz

  • Verhalten bei Rauchentwicklung

  • Umgang mit Feuerlöscheinrichtungen

  • Aufgaben bestimmter verantwortlicher Personen

Je nach Betrieb können zusätzliche Inhalte erforderlich sein.

Wie oft sollte eine Evakuierungsübung stattfinden?

Eine pauschale Frist passt nicht zu jedem Unternehmen.

Wie häufig geübt werden sollte, hängt unter anderem von Gebäudegrösse, Nutzung, Personalwechsel und vorhandenen Risiken ab. Die EKAS empfiehlt grundsätzlich, Notfallszenarien periodisch mit den Mitarbeitenden zu üben, damit Fluchtwege, Alarmierungspläne und Sammelplätze bekannt bleiben.

Bei komplexen Gebäuden oder Betrieben mit erhöhtem Risiko können häufigere Übungen sinnvoll sein.

Nach jeder Übung sollte ausgewertet werden, was funktioniert hat und wo Verbesserungsbedarf besteht. Typische Erkenntnisse betreffen unklare Verantwortlichkeiten, zu lange Räumungszeiten oder schlecht bekannte Sammelplätze.

Was ist bei Schichtarbeit oder wechselnder Belegung zu beachten?

Ein Notfallkonzept darf nicht nur für den Normalbetrieb tagsüber funktionieren.

In Industrie-, Produktions- oder Logistikbetrieben verändert sich die Zahl der anwesenden Personen im Tagesverlauf häufig stark. Hinzu kommen Nacht- und Wochenendschichten.

Die EKAS weist darauf hin, dass eine Notfallorganisation auch bei Schicht- und Nachtarbeit funktionieren muss. Für den Brandfall bedeutet das, dass Verantwortlichkeiten, Alarmierung und Evakuierung zu jeder Betriebszeit geregelt sein müssen.

Auch externe Personen wie Monteure, Lieferanten oder Reinigungskräfte dürfen dabei nicht vergessen werden.

Wie unterscheidet sich das Notfallkonzept vom Brandschutzkonzept?

Beide Begriffe hängen zusammen, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben.

Ein Brandschutzkonzept beschreibt grundsätzlich die baulichen, technischen und organisatorischen Brandschutz-Massnahmen eines Gebäudes. Das Notfallkonzept konzentriert sich stärker auf die Abläufe im konkreten Ereignisfall.

Es beantwortet damit vor allem Fragen wie:

Wer alarmiert?
Wer evakuiert?
Welcher Fluchtweg wird genutzt?
Wo treffen sich die Personen?
Wer informiert die Feuerwehr?

Bei grösseren oder komplexeren Gebäuden sollten beide Dokumente aufeinander abgestimmt sein.

Mehr zum übergeordneten Konzept finden Sie in unserem Beitrag "Wann ist ein Brandschutzkonzept erforderlich?".

Welche Fehler treten bei Notfallkonzepten häufig auf?

Viele Konzepte wirken auf dem Papier vollständig, sind im Alltag aber schwer nutzbar.

Typische Probleme sind veraltete Ansprechpartner, nicht mehr aktuelle Grundrisse, unbekannte Sammelplätze oder Verantwortlichkeiten, die nur einer einzigen Person zugewiesen wurden.

Ein weiterer Fehler ist, dass Mitarbeitende das Konzept nie praktisch anwenden.

Ein Notfallkonzept sollte deshalb regelmässig überprüft und nach Umbauten, organisatorischen Änderungen oder neuen Betriebsabläufen angepasst werden.

Auch die Einführung neuer technischer Systeme kann eine Aktualisierung erforderlich machen.

Wann sollte ein Notfallkonzept aktualisiert werden?

Eine Überprüfung ist besonders sinnvoll, wenn sich Gebäude oder Organisation verändern.

Dazu zählen etwa:

  • Umbauten oder Nutzungsänderungen

  • neue Produktions- oder Lagerbereiche

  • Änderungen an Fluchtwegen

  • neue Brandmelde- oder Löschanlagen

  • deutlich veränderte Mitarbeiterzahlen

  • neue Arbeitszeiten oder Schichtmodelle

  • Wechsel wichtiger Verantwortlicher

Auch Erkenntnisse aus einer Evakuierungsübung sollten direkt in die nächste Version des Konzepts einfliessen.

Häufige Fragen zum Notfallkonzept im Brandfall

Was gehört in ein Notfallkonzept Brandfall?

Ein Notfallkonzept sollte unter anderem Alarmierung, Verantwortlichkeiten, Fluchtwege, Sammelplätze, Evakuierung, Feuerlöscheinrichtungen und die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr regeln.

Braucht jedes Unternehmen ein Notfallkonzept?

Unternehmen müssen ihre Notfallorganisation an den vorhandenen Gefährdungen ausrichten. Die EKAS sieht die Notfallorganisation als festen Bestandteil des betrieblichen Sicherheitsmanagements und empfiehlt ein Notfallkonzept auf Grundlage der betrieblichen Risiken.

Wie verhalten sich Mitarbeitende im Brandfall richtig?

Grundsätzlich gilt: Alarm auslösen beziehungsweise Feuerwehr informieren, gefährdete Personen warnen, das Gebäude über die vorgesehenen Fluchtwege verlassen und den Sammelplatz aufsuchen. Löschversuche dürfen nur ohne Eigengefährdung erfolgen.

Wie oft sollte ein Notfallkonzept überprüft werden?

Es sollte regelmässig und insbesondere nach organisatorischen oder baulichen Veränderungen überprüft werden. Erkenntnisse aus Übungen oder realen Ereignissen sollten ebenfalls berücksichtigt werden.

Fazit: Im Ernstfall zählt eine klare Organisation

Technische und bauliche Brandschutz-Massnahmen bilden die Grundlage für ein sicheres Gebäude. Im Brandfall müssen jedoch auch die Menschen wissen, was zu tun ist.

Ein durchdachtes Notfallkonzept verbindet Alarmierung, Evakuierung, Verantwortlichkeiten, Sammelplätze und die Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften zu einem klaren Ablauf.

Entscheidend ist nicht nur, dass ein Konzept existiert, sondern dass es bekannt, aktuell und praktisch erprobt ist.

Die Vulcanus AG unterstützt Unternehmen schweizweit bei der Erstellung und Weiterentwicklung von Brandschutz- und Evakuierungskonzepten. Dabei berücksichtigen wir Gebäudestruktur, Nutzung, betriebliche Abläufe und vorhandene Brandschutz-Massnahmen.

Sie möchten Ihre Notfallorganisation für den Brandfall überprüfen oder ein bestehendes Konzept aktualisieren? Wir unterstützen Sie von der Analyse der Ausgangssituation bis zu einer praxisnahen Lösung für Ihren Betrieb.